Westfalenhütte 2.0: Stadt und thyssenkrupp Steel haben neue Ideen für den Industriestandort
Die Westfalenhütte steht vor einem neuen Entwicklungsschritt. Die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel planen, die Flächen des insgesamt 355 Hektar großen Areals zu optimieren und neu zu sortieren. Dadurch entstünde Platz für ein hochmodernes, 18 Hektar großes Technologie- und Gewerbequartier am Borsigplatz.
Neue Idee als strategische Chance für den Standort
Im Jahr 2022 hatten Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel eine städtebauliche Vereinbarung zur Entwicklung von Teilflächen der Westfalenhütte geschlossen, die nicht mehr für den laufenden Produktionsbetrieb erforderlich sind. Zudem vereinbarten sie die Umsetzung der Hoeschallee. Seitdem haben die Partner bereits wesentliche Maßnahmen planmäßig umgesetzt. Die Stadt Dortmund hat erhebliche Investitionen in die Vorbereitung und Realisierung der verkehrlichen und technischen Infrastruktur geleistet.
Durch den Wegfall der Landesförderung für die Erschließungsmaßnahmen Hoeschallee und Westfalenhüttenallee sowie weiterer Infrastrukturmaßnahmen ist gegenüber den Annahmen des Vertragswerks 2022 ein neues Zeitfenster entstanden. Gleichzeitig werden derzeit Möglichkeiten geprüft, die Werksstruktur auf dem Standort zu konzentrieren, weiterzuentwickeln und beispielsweise Logistikflächen effizienter anzuordnen. Dadurch könnten zusätzliche Entwicklungsperspektiven für bislang nicht frei verfügbare Flächen entstehen. Die Projektpartner nutzen diese Situation als strategische Chance, das Gelände noch einmal neu zu denken und zu qualifizieren.
Diese potenzielle Weiterentwicklung des Rahmenplans und der vertraglichen Grundlagen aus dem Jahr 2022 wird als das Projekt „Westfalenhütte 2.0“ bezeichnet.
Ein neues „Quartier im Grünen Ring“ für die Nordstadt
Die geplante Neuordnung einzelner Flächen des Unternehmens ermöglicht den Projektpartnern, auf der freiwerdenden 18 Hektar großen Fläche (Teilflächen C1 bis C3) einen modernen Wirtschaftsraum im Sinne der Wirtschaftsflächenstrategie der Stadt zu schaffen. Ansiedeln könnten sich dort technologieaffine Dienstleistungen, Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung. Bestehende thyssenkrupp-Bereiche aus Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung verbleiben vor Ort und würden den Ankerpunkt des neuen Quartiers bilden.
Gleichzeitig könnte die Bevölkerung profitieren: Für die Stadt, insbesondere für das Borsigplatz-Quartier, eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, den geplanten Park „Grüner Ring“ besser mit der Nordstadt zu verbinden – ein großes und nachhaltiges Plus an Lebens- und Aufenthaltsqualität.
Verkehrswege und Stadtbahnverlauf müssten umgeplant werden
Die veränderte Aufteilung des Werksgeländes hätte Auswirkungen auch auf die Verkehrsplanung. Stadt und thyssenkrupp Steel müssten deshalb die Pläne für Straßen und Stadtbahn zum Teil neu ordnen. Unter anderem müsste die geplante Stadtbahntrasse im Bereich Oesterholzstraße und Springorumstraße angepasst werden. Auch der Kreuzungsbereich Hoeschallee müsste überprüft werden. Weil die bisher vorgesehene Werksunterführung entfallen würde, könnte der Knotenpunkt noch eine neue Erschließung für das frei gewordene Technologie- und Gewerbequartier aufnehmen.
Balance zwischen industriellen Belangen und städtischer Zukunft
Vom Konzept „Westfalenhütte 2.0“ würden beide Partner profitieren. Für thyssenkrupp Steel haben störungsfreie Abläufe sowie die Wahrung der betrieblichen und sicherheitsrelevanten Anforderungen des Werksgeländes hohe Priorität.
Die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel müssen als nächste Schritte die Machbarkeit weiter gemeinsam prüfen. Dazu zählen unter anderem die finanziellen Rahmenbedingungen, die Anpassungen der rechtlichen Vertragsvereinbarungen sowie die neue städtebauliche Planung mit neuem Rahmenplan. Eine Entscheidung zur Machbarkeit und Umsetzung soll bis Ende 2027 betroffen werden.
Über die Westfalenhütte
Mit einer Gesamtfläche von rund 355 Hektar ist die Westfalenhütte das größte zusammenhängende Industrieareal Dortmunds und flächenmäßig fast doppelt so groß wie der PHOENIX See und PHOENIX West zusammen. Seit Ende der 1990er-Jahre entwickelt sich der Standort kontinuierlich weiter: von der Primärstahlindustrie hin zu einem diversifizierten Mix aus moderner Logistik, zukunftsgerichteter Stahlveredelung (wie der 2022 neu gebauten Feuerbeschichtungsanlage 10) sowie neuen Wohn- und Parkanlagen mit dem Karlsquartier und dem Park „Grüner Ring“.
Anlage: 327892P.pdf